Ryoko Hori

Vita

Die in Japan geborene und in Berlin lebende Ryoko Hori ist eine Duftkomponistin und Aromatherapeutin, deren Arbeit tief in den shintoistischen Glaubensvorstellungen verwurzelt ist. Sie erforscht die Schnittstelle zwischen menschlichen Zivilisationen, botanischen Kulturen und dem Geruchssinn der Erde als lebendigem Zeugen. "Duft ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens", sagt sie. "Er erdet mich und bringt mir Freude. Ich liebe ihre unsichtbare und unberührbare Natur. Doch Düfte haben einen so tiefgreifenden Einfluss auf uns, indem sie unsere Emotionen, unser Verhalten und sogar unsere Gedanken prägen". In den letzten zwanzig Jahren hat sie ihre Karriere von der Therapeutin zur Duftkünstlerin entwickelt, die verschiedene Geschichten und Kontexte formuliert und in die Kunst des Duftes übersetzt. Seit 2015 betreibt sie in Berlin Neukölln mit dem RYOKO senses salon einen multidisziplinären Raum und Ort für sensorische Entdeckungsreisen durch olfaktorische Kreationen. 2026 plant sie nach Kyoto zu expandieren.

Kōgei (香藝) Where Scent Tells Its Origin

Installation, 2024 (derzeit im Museum ausgestellt)

Ryoko Hori war 2024 Artist-in-Residence im Kranich Museum. Sie beschäftigt sich mit olfaktorischer Kunst, eine Kunstform, bei der Gerüche und Düfte als künstlerisches Medium eingesetzt werden, um Emotionen, Erinnerungen und Konzepte zu vermitteln und das Publikum auf einer tiefen, sensorischen Ebene anzusprechen. Tief verwurzelt in der japanischen Shintō-Philosophie mit ihrem Respekt für die Natur, erforscht sie in ihren komplexen Duftkompositionen und Installationen seit vielen Jahren die Schnittstellen zwischen menschlichen Zivilisationen, botanischen Kulturen und dem Gedächtnis der Erde als lebendigem Zeugen.

Für ihre Arbeit Kōgei (香藝) Where Scent Tells Its Origin hat sie Hirse angebaut, eine der ältesten Nutzpflanzen in verschiedenen Kulturen und Religionen, die ursprünglich aus Asien und Afrika stammt, aber auch in Norddeutschland kultiviert wurde. Das japanische Kanji-Zeichen für Duft lautet Kō (香). Es setzt sich aus Elementen zusammen, die Hirse, "Süße durch den Mund" und Wasser darstellen. Für Ryoko Hori zeigt dies, dass ihre Vorfahren „Duft“ mit Hirse in Verbindung brachten. Tatsächlich war Hirse in Japan lange bevor Reis dominierend wurde ein Grundnahrungsmittel. Ähnlich verhält es sich mit dem Kanji-Zeichen für Kunst, Gei (藝). Es setzt sich aus den Komponenten für Baum, Pflanzen, Erde und menschliche Hände zusammen, und hat heute die Bedeutung „Kultivierung”. Aus diesem Grund habe sie sich entschlossen, mit dem Anbau von Hirse zu beginnen und sie als Grundlage für ihre künstlerische Arbeit während ihrer Residency zu verwenden.

Nach der Ernte der Hirse wurde ihre Essenz durch Wasserdampfdestillation gewonnen und dann mit anderen Duftelementen gemischt. Aus getrockneter Hirse fertigte sie ein Bündel, das - wie im Shintō üblich - mit einem Shimenawa aus Papier umschlungen ist und im Eingangsbereich des Museums installiert ist. An heiligen Orten wie Schreinen angebracht, verkörpern Shimenawa im Shintoismus die rituelle Trennung zwischen der heiligen Welt der Götter (Kami) und der Diesseitswelt. Der von ihr komponierte Duft, der den „Ursprung des Duftes” symbolisiert, wird durch einen bewegungsaktivierten Diffusor in die Luft abgegeben sobald ein Besucher diesen Raum betritt. Wenn sich die Duftmoleküle verteilt haben, werden sie durch Umweltprozesse abgebaut. Anschließend werden sie von der Erde absorbiert, kehren zur Natur zurück und hinterlassen einen bleibenden Eindruck, indem sie Teil der Erinnerung der Erde werden.