Die künstlerische Arbeit von Elke Siml bewegt sich in unterschiedlichen Medien. In offenen Prozessen verbindet sie Spiel, Zufall und Einflüsse der Umgebung zu einer kontinuierlichen Transformation der Arbeit. Gedanken, Atmosphären und Erfahrungen werden dabei über verschiedene Medien hinweg transportiert, verändert und neu erfahrbar gemacht. Kunst wird so zu einem Raum der Kommunikation, in dem sich künstlerische Praxis und Lebensphilosophie gegenseitig durchdringen.
Geboren in Kühlungsborn, Deutschland, lebt und arbeitet Elke Siml in Saal und Berlin. Seit den frühen 1990er Jahren zeigt sie ihre Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland.
Sie gewann mehrere Wettbewerbe für Kunst im öffentlichen Raum, für die Telekom Rostock, die Kaserne Stallberg, das Kreistagsgebäude Güstrow sowie das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin.
Stipendien führten sie nach Olevano Romano (Italien), an das Virginia Center for the Creative Arts (USA), in das Künstlerhaus Schloss Plüschow, zur Stiftung Kunstfonds, nach Qingdao (China) sowie 2026 in das Kranich Museum Hessenburg.
Ihre Arbeiten befinden sich unter anderem in den Sammlungen der Kunsthalle Rostock, der Deutschen Bank, der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern in Berlin sowie im Kranich Museum Hessenburg.
Installation mit Möbeln, Spiegel, Buch, Glas, Porzellangefäßen, Drahtständern, Tellern und Schrift, 2026 (derzeit im Museum ausgestellt)
In der Installation im Kranich Museum vereint die Künstlerin Wort und Bild miteinander. Seit einiger Zeit experimentiert Elke Siml mit Porzellan. Dessen Transparenz fasziniert sie als Brücke zum Immateriellen. Gerade weil sich der Alltag zunehmend von handwerklichen Prozessen entfernt, gewinnt das Herstellen von Gefäßen als anachronistisch wirkende Handlung für sie besondere Bedeutung. Gefäße ermöglichen dabei das Teilen von Ritualen. Für dieses Projekt jedoch befreit sie das Gefäß bewusst von seiner Nützlichkeit und erhöht stattdessen das Risiko des Scheiterns beim Entstehen.
… AM NÄCHSTEN TAG WAR DER KRANICH DER GASTGEBER, UND DIE SCHÜSSELN WAREN HOCH WIE KELCHE. DER FUCHS JETZT WIE EIN VERLASSENER JÜNGER, HUNGERTE ZWISCHEN BROT UND WEIN. UND SO WURDE AUS DEM ABENDMAHL EINE LEHRE: WER LIST SÄT, ERNTET SCHAM, UND SELBST AM HEILIGSTEN TISCH GILT DAS WORT DER FABEL. Schiller und Luther mit ChatGPT
Wie schon in vergangenen Arbeiten lotet Elke Siml - hier als „Artist in residence“ - Möglichkeiten von Sprache und rituellen Handlungen im gesellschaftlichen Kontext aus. Der Dachboden des Kranich Museums wird durch seine erhabene Position zu einem Sprachraum. Texte der deutschen Hochsprache – exemplarisch bei Schiller und Luther – werden mithilfe von Übersetzungsprogrammen und KI miteinander verwoben. So entsteht eine fragile, neue Poetik.
Am Giebel des Raumes erscheint das Ergebnis als Schriftbild. Davor, auf Spiegeln platziert, symbolisieren scheinbar schwebende Porzellanteller die Einladung zu einem gemeinsamen Mahl. Als Kontrapunkt zeigt eine kleine Vitrine ein antikes Buch mit Gedichten von Schiller, ergänzt durch eine Schale aus zerbrechlichen Prozellanblättern. Ein löchriges Behältnis verweist auf Sprache als Denkraum.
Die Arbeit verhandelt die Einladung als gesellschaftliche und poetische Geste: die Einladung zu einem Mahl, sowie das Teilen von Sprache. Der Text an der Wand schafft so einen imaginären sozialen Raum. Die Objekte verweigern jedoch ihre Nutzung. Die hauchdünnen Porzellanteller erinnern an gemeinsame Mahlzeiten – und daran, wie leicht Gemeinschaft scheitern kann.
In Schillers Erzählung „Fuchs und Kranich“ entscheidet das Gefäß darüber, wer essen darf und wer ausgeschlossen bleibt. Auch beim „Letzten Abendmahl“ wird das Teilen von Brot und Wein zum zentralen Zeichen von Nähe und dem Verlust von Vertrauen. Die Einladung ist kein Versprechen, sondern ein Angebot, dessen Annahme aktive Deutung verlangt.